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Ein Jahr Praxisgebühr

Arzt oder Apotheke – für junge Deutsche eine Frage

Hamburg, 20.01.2005. Gesundheit ist das höchste Gut. Nach diesem Grundsatz scheinen viele Deutsche auch nach Einführung der Praxisgebühr zu leben. Das ergab eine Studie des Marktforschungsinstituts Ipsos in Zusammenarbeit mit der Fachzeitschrift planung&analyse.

Acht von zehn Deutschen (82%) ist im Krankheitsfall die Praxisgebühr "egal"; wenn sie krank sind, gehen sie zum Arzt. Für ebenso viele kam es im vergangenen Jahr nicht in Frage, aufgrund der Praxisgebühr einen Arzttermin zu verschieben. Allerdings scheint – wohl bei weniger ernsten Fällen - der Gang zur Apotheke eine echte Alternative zum Arzt zu sein. Jeder dritte Bundesbürger (31%) holt sich seit der Einführung der Praxisgebühr "lieber mal was aus der Apotheke", bevor er gleich zum Arzt geht. Zwei Drittel der Deutschen haben ihren Hausarzt 2004 genauso oft aufgesucht wie 2003, gut jeder Zweite (57%) konsultierte unverändert häufig einen Facharzt.

Aber: jüngere Patienten, ziehen deutlicher Konsequenzen aus der Praxisgebühr als ältere. So verschoben 16 Prozent der unter 35-Jährigen aber nur elf Prozent der über 54-Jährigen den notwendigen Gang zum Arzt. Ein entsprechendes Altersgefälle gab es bei der Aussage "Wenn ich krank bin, gehe ich zum Arzt, da ist mir die Praxisgebühr egal". 73 Prozent der unter 35-Jährigen, aber 88 Prozent der über 54-Jährigen schlossen sich dieser Aussage an. Auch wenn es darum geht, die Praxisgebühr durch einen Gang zur Apotheker zu umgehen, liegen die Jüngeren vorn (42% gegenüber 22%).

Und das, obwohl 91 Prozent der Befragte angeben, einen Hausarzt zu haben, zu dem 79 Prozent ein "echtes Vertrauensverhältnis" haben. Im Jahre 2004 wurde der Hausarzt im Durchschnitt fünfmal konsultiert. Zwei Drittel (65%) der Befragten gab an, ihn genauso häufig besucht zu haben wie 2003, 15 Prozent waren "häufiger", 18 Prozent "seltener" als 2003 beim Hausarzt gewesen. Jüngere Befragte machten bei der Besuchshäufigkeit von 2003 auf 2004 deutlich mehr Abstriche. Gut jeder vierte (27%) unter 35-Jährige aber nur jeder zehnte (10%) über 54-Jährige war 2004 seltener bei seinem Hausarzt als im Jahr davor. Diese Entwicklung gilt in ähnlichem Maße für Facharztbesuche. Fachärzte wurden 2004 von jedem Bundesbürger ab14 Jahren durchschnittlich 3,1 Mal besucht, für gut jeden fünften (22%) war das häufiger als im Vorjahr, für fast ebenso viele (19%) seltener, die Mehrheit (57%) sah 2003 einen Facharzt genauso oft wie 2004.

Die Einführung der Praxisgebühr vom 01.01.2004 hielt demnach im vergangenen Jahr die deutliche Mehrheit der Deutschen nicht von einem Arztbesuch ab. Das gilt vor allem für ältere Patienten. Für Jüngere (unter 35 Jahre) wird die Apotheke tendenziell zum Wettbewerber der ärzte. In Anbetracht der Notlage vieler deutscher Apotheken vielleicht ein Lichtstreif am Horizont? Offen bleibt die Frage, was für den Patienten besser ist…

  Gesamt Bis 34 Jahre 35 - 34 Jahre 55+ Jahre
Basis 1000 267  357 376
Wenn ich krank bin, gehe ich zum Arzt, da ist mir die Praxisgebühr egal 82% 73% 82% 88%
Aufgrund der Praxisgebühr habe ich im letzten Jahr einen Arztbesuch verschoben 15% 16% 18% 11%
Seit der Praxisgebühr hole ich mir lieber mal was aus der Apotheke, bevor ich gleich zum Arzt gehe     31% 42% 32% 22% 
Zu meinem Arzt habe ich ein echtes Vertrauensverhältnis 77% 72% 74% 84%

Steckbrief

Feldzeit: 03. bis 06. Januar 2005
Stichprobengröße: 1.000 Personen ab 14 Jahren, repräsentativ für die deutschsprechende, telefonisch erreichbare Bevölkerung in Deutschland
Methode: telefonische Interviews mit CATI (Computer Assisted Telephone Interviewing)

Durchführung in Kooperation mit der Fachzeitschrift planung&analyse

Über Ipsos

Die Ipsos GmbH ist ein Tochterunternehmen der Ipsos SA, Paris. Weltweit gehören Marktforschungsinstitute in über 40 Ländern zur Ipsos-Gruppe, die damit international Platz drei einnimmt. Seit 1999 ist Ipsos SA an der Pariser Börse notiert. In Deutschland ist die Ipsos GmbH mit 350 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 53 Millionen Euro (2004) das drittgrößte Ad-hoc-Marktforschungsinstitut.

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