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Globalisierung – Deutsche pessimistisch

Ipsos-Umfrage ermittelt ambivalentes Bild von Chancen und Bedrohungen

Hamburg/Mölln, 07. Juni 2006. Die Haltung der Deutschen zur Globalisierung ist gespalten: Es werden gleichzeitig sowohl die Bedrohungen als auch die Chancen gesehen – für die meisten ist dies eine Situation, die sie noch nicht auflösen können. Zwei Drittel der Bevölkerung sehen die Folgen der Globalisierung sowohl für sich und Deutschland eher negativ, nur jeder Sechste sieht sie positiv. Dabei haben seit 2005 sowohl der Anteil der Pessimisten wie der Anteil der Optimisten leicht zugenommen. Jeder Zweite glaubt, dass sich der Globalisierungsprozess noch weiter beschleunigen wird, jeder Vierte meint, dass er etwa so bleiben wird. Damit ist der Anteil derjenigen, die keine weitere Beschleunigung mehr sehen, leicht gewachsen. Die generelle Einstellung zur Globalisierung hängt sehr stark damit zusammen, ob die Menschen selber persönliche Kontakte ins Ausland haben: Mehr als die Hälfte der Pessimisten hat „nie“ solche Kontakte.

Pessimismus und Ambivalenz
Der Prozess der Globalisierung ist zur Signatur der Gegenwart geworden. Die „Entgrenzung“ von ökonomischen und politischen Entscheidungen hat eine gesellschaftliche Diskussion entfacht, bei der sich leidenschaftliche Gegner und engagierte Befürworter gegenüber stehen. Wenn auch um die möglichen Auswirkungen und Steuerungsinstrumente heftig gestritten wird, sicher ist nur, dass dieser Prozess unumkehrbar ist – wie mit ihm umgegangen werden soll hingegen viel weniger. So werden in der Öffentlichkeit gleichermaßen Chancen und Bedrohungen wahrgenommen und hinterlassen ein Gefühl der Ambivalenz, auf das mit Pessimismus reagiert wird.
Dies ist das Hauptergebnis einer repräsentativen Telefonbefragung der IPSOS GmbH unter 1.000 Befragten ab 14 Jahren die im März 2006 im Rahmen des BVM-Trendmonitors durchgeführt wurde.

Seit 2005 haben sowohl der Anteil derjenigen, die der Globalisierung optimistisch, wie auch derjenigen, die ihr pessimistisch gegenüberstehen, zugenommen. Zwei von drei Deutschen (67%) erwarten durch die Globalisierung sowohl für sich selber wie auch für Deutschland mehr Nachteile als Vorteile – damit ist dieser Anteil im Vergleich zum Vorjahr leicht um vier Prozentpunkte gestiegen und führt zu einer noch stärkeren Betonung der negativen Einschätzung in der Öffentlichkeit. Gleichzeitig ist auch der Anteil der Optimisten leicht um drei Prozentpunkte auf nunmehr 16 Prozent gestiegen – d.h. jeder Sechste erwartet für sich und Deutschland mehr Vor- als Nachteile. So sind es vor allem die Jüngeren und besser Gebildeten, die in der Globalisierung Vorteile für sich sehen – unter Befragten mit Abitur oder Universitätsabschluss sieht fast jeder Dritte (32%) Vorteile für sich und Deutschland.

Dieser insgesamt pessimistische Grundzug ist eine Folge der ambivalenten Haltung gegenüber der Globalisierung, bei der positive und negative Bewertungen Hand in Hand gehen. Weil die Menschen diese Situation noch nicht auflösen können, verhalten sie sich zunächst einmal vorsichtig und sehen in der Summe eher die möglichen Nachteile. Diese Ambivalenz zeigt sich z.B. darin, wenn einerseits 60 Prozent der Befragten angeben, dass die Globalisierung deutschen Unternehmen neue Absatzmöglichkeiten im Ausland eröffne, andererseits ein ebenso großer Teil der Befragten der Meinung ist, dass die Politik verhindern müsse, dass große deutsche Unternehmen von ausländischen Unternehmen aufgekauft werden. Gleichfalls ist jeder zweite (55%) Befragte der Ansicht, die Globalisierung fördere den technischen Fortschritt, ein fast gleich großer Anteil (52%) sagt aber auch, dass durch die Globalisierung die reichen Länder reicher und die armen Länder ärmer werden – und ebenfalls jeder Zweite (51%) ist der Ansicht, dass in einer globalisierten Welt die Bedrohung durch den internationalen Terrorismus wachse.

Ebenso zeigt sich das gleichzeitige Nebeneinander von positiven und negativen Aspekten der Globalisierung in der Entwicklung dieser Einstellungen zwischen 2005 und 2006: den größten Zugewinn von rund acht Prozentpunkten erfährt die (positive) Aussage, dass sich neue Absatzmöglichkeiten im Ausland durch die Globalisierung eröffnen würden; aber genauso nimmt der Anteil derjenigen zu, die dem (negativen) Aspekt der Globalisierung zustimmen, dass die Bedrohung durch den internationalen Terrorismus wachse, schließlich, dass die deutsche Regierung durch die Globalisierung immer weniger Einfluss auf die Verhältnisse im Lande habe.

Geschwindigkeit der Globalisierung
Für die absolute Mehrheit der Menschen in Deutschland schreitet der Globalisierungsprozess mit immer schnelleren Schritten voran: Mehr als die Hälfte der Befragten (52%) ist der Ansicht, dass sich der Prozess der Globalisierung noch stark oder zumindest etwas beschleunigen würde – dies sind im Vergleich zu 2005 rund fünf Prozentpunkte weniger. Dass sich der Prozess etwas verlangsamen würde, erwarten 18 Prozent der Befragten (2005: 19%). Allerdings wächst der Anteil derjenigen, die ein zumindest konstantes Tempo erwarten: Für mittlerweile jeden Vierten (26%) wird die Geschwindigkeit, mit der dieser Prozess voranschreitet, in etwa so bleiben – 2005 waren nur weniger als jeder Fünfte (18%) dieser Ansicht. Interessant ist dabei, dass es vor allem die höher Gebildeten sind, die eher eine Beschleunigung vermuten: 59 Prozent geben dies an, unter Befragten mit Hauptschulabschluss sind es 48 Prozent.

In dem Maße, von ein größer werdenden Teil der Bevölkerung den Globalisierungsprozess mit einer konstanten Geschwindigkeit wahrnimmt, steigt insgesamt damit auch die Chance, dass dieser Prozess zunehmend als gestaltbar erlebt wird, und die damit verbundenen Risiken kontrolliert werden können.

Globalisierung und persönliche Kontakte ins Ausland
Wenn über Globalisierung gesprochen wird, sind in der Regel ökonomische und politische Steuerungsprozesse gemeint – aber letztlich sind es nicht Unternehmen, sondern die Menschen, die über die nationalen Grenzen hinaus entscheiden und kommunizieren. Insofern ist die Zunahme der sozialen Kontakte von Menschen über die nationalen Grenzen hinaus ein wesentlicher Aspekt der Globalisierung, und es zeigt sich, dass die Häufigkeit von privaten oder geschäftlichen persönlichen Kontakten ins Ausland die Einstellung zur Globalisierung deutlich beeinflusst. Unter den Globalisierungs-Optimisten haben knapp vier von zehn (38%) Befragten häufig oder sehr häufig Kontakt ins Ausland, während nur 23 Prozent der Pessimisten Auslandskontakte vorweisen können Demgegenüber hat mehr als die Hälfte (54%) dieser Gruppe überhaupt keinen Kontakt ins Ausland, bei den Optimisten sind das nur 31 Prozent.

Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass die Einstellungen zur Globalisierung – eben weil ein eindeutiger Interpretationsrahmen noch fehlt – ein deutliches Veränderungspotenzial beinhalten. In dem Maße, wie dieser Prozess gesellschaftspolitisch und ökonomisch gesteuert werden kann, wird er auch in der Bevölkerung weniger als eine Bedrohung, sondern als Chance wahrgenommen werden.

 

Trend Monitor:
Die gemeinsame Erhebung der Marktforschungsinstitute GFK, Ipsos, IFAK und TNSInfratest gibt Aufschluss über gesellschaftliche Entwicklungen in Deutschland. Pro Institut wird jeweils eine Thematik bearbeitet. Der Trend Monitor wurde im Juni 2005 anlässlich des 50. BVM-Kongresses erstmals aufgelegt und erscheint seitdem jährlich.

Steckbrief

Methode:
Die Untersuchung wurde mit Ipsos „Express“ als computergestützte telefonische Befragung (CATI) zwischen dem 08.03. und 14.03.2006 durchgeführt. Grundgesamtheit sind alle deutschsprachigen Personen ab 14 Jahren, die in telefonisch erreichbaren Privathaushalten leben. Aus dieser Grundgesamtheit wurde eine repräsentative, mehrstufig geschichtete Zufallsstichprobe gezogen. Die statistische Fehlertoleranz liegt bei einem ausgewiesenen Merkmal von 10% bei ± 2,2%, und bei 50% bei ± 3,7%.

Über Ipsos

Die Ipsos GmbH ist ein Tochterunternehmen der Ipsos SA mit Hauptsitz in Paris. Weltweit gehören Marktforschungsinstitute in über 40 Ländern zur Ipsos - Gruppe, die damit international Platz drei einnimmt. Seit 1999 ist Ipsos SA an der Pariser Börse notiert. In Deutschland ist die Ipsos GmbH mit 320 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 52 Mio. € (2005) das drittgrößte ad-hoc Marktforschungsinstitut.

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