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Größte Angst vor Vogelgrippe in Saudi Arabien und Polen, Westeuropa gelassen – Ipsos untersucht Einstellung zur Vogelgrippe in 19 Ländern

Hamburg/Mölln, 29. Juni 2006. Vier Monate nach dem Auftreten der ersten neuen Fälle von Vogelgrippe in Asien und Europa, sowie ersten Übertragungen der Krankheit auf Menschen in der Türkei ist „Vogelgrippe“ ein weltweites Thema.

Das Marktforschungsinstitut Ipsos ermittelte im Mai 2006 in 19 Ländern im Rahmen einer weltweiten Mehrthemenumfrage die Bekanntheit der Vorfälle, die Ängste der Bevölkerung und die Verhaltensänderungen hinsichtlich der Ernährung. Die überwiegend online durchgeführte Studie zeigt dabei große Unterschiede in der Wahrnehmung und auch bei den Auswirkungen auf die Konsumgewohnheiten zwischen den Ländern aus allen Kontinenten.

Die Vogelgrippe ist mindestens drei Viertel der Bevölkerung bekannt. In vielen Ländern erreicht sie einen Bekanntheitsgrad von nahezu 100 Prozent. Am wenigsten wissen Mexikaner (76%), Argentinier (78%) und Chilenen (89%) mit der Viruserkrankung anzufangen, dort sind in der jüngsten Zeit jedoch auch keine erkrankten Tiere gefunden worden. Dies bedeutet aber nicht, dass die Sorge um die Verbreitung und vor allem die Angst, ein Familienmitglied könnte an H5N1 erkranken, in diesen Ländern geringer wäre. Ebenso führt eine vorhandene Angst nicht zwangsläufig zu einer Verhaltensänderung bei der Ernährung.

Besorgnis über Vogelgrippe im eigenen Land
In Saudi Arabien machen sich 90 Prozent der Befragten Sorgen über die Vogelgrippe, sechs von zehn sind sogar sehr besorgt. Mehrere Dutzend Jagdfalken sind bereits getötet worden, diese Tiere sind ein wichtiges und kostspieliges Statussymbol in arabischen Ländern. Dem gegenüber steht Schweden, nur ein knappes Viertel (24%) äußert sich hier besorgt über die Tierseuche.

Es sind nicht unbedingt die Länder mit bestätigten H5N1-Fällen, in denen die Angst besonders groß wäre. So haben beispielsweise in Kuwait 78 Prozent und in Australien 74 Prozent der Befragten angegeben, sehr oder ziemlich besorgt zu sein. In diesen Ländern ist die Krankheit in 2005 bzw. 2006 jedoch nicht ausgebrochen – im Gegensatz zu Deutschland (48%), Frankreich (45%) und Schweden (24%), die sich vergleichsweise weniger besorgt zeigen.

Interessanterweise ist die Sorge um die Vogelgrippe in fast allen westeuropäischen Ländern, in denen Ipsos die Umfrage durchführte – Großbritannien, Spanien, Italien, Deutschland, Frankreich und Schweden – nur unterdurchschnittlich, obwohl alle Länder außer Spanien betroffen sind. Vermutlich vertraut man in diesen Ländern stärker darauf, dass die Behörden das Problem in den Griff bekommen.

In den mittel- und südamerikanischen Ländern Brasilien, Argentinien und Mexiko dagegen sind überdurchschnittlich viele Befragte sogar „äußerst besorgt“ wegen der Vogelgrippe. In Lateinamerika scheinen auch die Familienbande sehr stark zu sein: Überdurchschnittlich viele Befragte haben in diesen Ländern Angst, dass sich ein Familienmitglied anstecken könnte und  sind deswegen äußerst besorgt, in Chile sogar 83 Prozent! Keines dieser Länder ist jedoch aktuell von der Vogelgrippe betroffen.

Auch in Saudi-Arabien (85%) und Polen (84%) haben die Befragten Angst, dass sich ein Familienmitglied mit dem Vogelgrippe-Virus anstecken könnte. Erneut bilden hier die sechs westeuropäischen Länder zusammen mit Kanada und den Vereinigten Arabischen Emiraten das Schlusslicht. In Deutschland wurde ermittelt, dass ein Drittel der Befragten besorgt darüber ist, dass sich ein Familienmitglied anstecken könnte und nur jeder Zehnte zeigt sich deswegen äußerst besorgt. In Schweden hat nur ein Fünftel Angst vor einer möglichen Ansteckung eines Familienmitglieds.

Eßgewohnheiten ändern sich
Die Angst vor der Vogelgrippe führt in vielen Ländern zu einer Änderung des Konsums von Huhn und Eiern. Die Befragten in Saudi Arabien, die sich besorgt zeigen aufgrund der Krankheit und auch der Ansteckungsgefahr, geben an, weniger Huhn (30%) und weniger Eier (26%) zu essen. In Kuwait (32%, 28%) sieht es ähnlich aus.

Es gibt aber auch gegenläufige Tendenzen. So geben in den Arabischen Emiraten 35 Prozent der Befragten an, weniger Huhn zu essen, 30 Prozent essen weniger Eier. Die Angst vor der Krankheit und der Ansteckungsgefahr ist aber unterdurchschnittlich! Genau anders herum ist es in Polen: Dort ist zwar die Angst vor dem Virus und der Ansteckungsgefahr groß, aber nur wenige scheinen die Verbindung zur Ernährung zu ziehen und essen weniger Hühnerfleisch (14%) bzw. Eier (10%).

18 Prozent der befragten Deutschen essen aufgrund der Vogelgrippe weniger Huhn, 13 Prozent reduzieren ihren Eierkonsum. Schweden ist erneut am Ende der Tabelle zu finden, dies passt zu den vorangegangenen Ergebnissen – die Skandinavier lassen sich offensichtlich nicht so leicht von ihren Essgewohnheiten abbringen.

Eindeutiger Auftrag an die Regierungen
In fast allen Ländern wünschen sich die Befragten, dass die Regierungen der Krankheit mehr Aufmerksamkeit widmen. In Saudi-Arabien sind es sogar 91 Prozent! Es folgen Kuwait, Chile, Thailand und Brasilien, wo dies mindestens sechs von zehn Befragten verlangen – gleichzeitig sind das die Länder, in denen die Besorgnis überdurchschnittlich groß ist. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Tierseuche hier aktuell ausgebrochen ist oder nicht. In den europäischen Ländern ist mindestens jeder zweite zufrieden mit den bisherigen Maßnahmen seiner Regierung. In Spanien (46%), Großbritannien (43%) und Italien (35%) wünschen sich noch relativ große Teile der Bevölkerung mehr Maßnahmen gegen die Vogelgrippe von ihrer Regierung. Frankreich und Deutschland fühlen sich dagegen gut versorgt Weit über die Hälfte der Befragten meint, die Regierung verhält sich in dieser Frage genau richtig. In der tschechischen Republik, aber auch in Schweden und Polen gibt es sogar jeweils mehr Menschen, denen das Engagement ihrer Regierung in Sachen Vogelgrippe eher schon zu weit geht, als solche, die sich mehr wünschen würden.

Steckbrief

Ipsos Omnibus-Netzwerk. Repräsentativstudie in 19 Ländern: Argentinien, Australien, Brasilien, Chile, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada, Kuwait, Mexiko, Polen, Saudi-Arabien, Spanien, Schweden, Thailand, Tschechische Republik, USA, Vereinigte Arabische Emirate.
Feldzeit: Mai 2006
Methode: Befragt wurden 500 und 1200 Personen zwischen 15 und 64 Jahren In neun Ländern wurde die Studie online durchgeführt, in jeweils fünf Ländern telefonisch bzw. face-to-face. In den Ländern, in denen online gefragt wurde, wurden die Ergebnisse im Rahmen des i:omnibus durchgeführt.

Über Ipsos

Die Ipsos GmbH ist ein Tochterunternehmen der Ipsos SA mit Hauptsitz in Paris. Weltweit gehören Marktforschungsinstitute in über 40 Ländern zur Ipsos - Gruppe, die damit international Platz drei einnimmt. Seit 1999 ist Ipsos SA an der Pariser Börse notiert. In Deutschland ist die Ipsos GmbH mit 320 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 52 Mio. € (2005) das drittgrößte ad-hoc Marktforschungsinstitut.

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