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Guter oder schlechter Einfluss durch Einwanderer? Deutsche sind geteilter Meinung

Ipsos und AP ermitteln die Einstellung zu Einwanderern in acht Ländern

09. Juni 2006, Hamburg/Mölln. Der Mikrozensus 2005 lieferte vor einigen Tagen eine Überraschung: Etwa jeder fünfte (19%) Einwohner in Deutschland hat einen „Migrationshintergrund“ , d.h. ist selbst zugewandert oder hat immigrierte Eltern oder Großeltern.

Wie stehen die Deutschen zum Thema „Zuwanderer“? Anders als in den traditionellen Einwanderungsländern USA, Kanada oder Australien, ist man in Deutschland geteilter Meinung, ob Einwanderer einen guten oder schlechten Einfluss auf die Dinge hier im Land ausüben: 47 Prozent sind der Ansicht, sie haben einen sehr guten oder eher guten Einfluss, 45 Prozent meinen, sie haben einen eher schlechten oder sehr schlechten Einfluss. Ebenso ist die Mehrheit der Deutschen (59%) der Ansicht, dass Einwanderer nur sehr wenig Einfluss auf das Leben in den Gemeinden haben. Allerdings sind dreimal so viele Befragte der Ansicht, dass Einwanderer mehr Probleme für die Gemeinden bereiten (23%), als dass sie das Leben in den Gemeinden verbessern (7%). Ein ähnlich geteiltes Bild zeigt sich in der Frage danach, ob Einwanderer eher Straftaten begehen als Menschen, die in Deutschland geboren werden: Auch hier ist der größte Teil der Deutschen eher unentschieden und meint, dass es dort keine Unterschiede gibt (54%). Von denen aber, die eine eindeutige Meinung dazu haben, sind ist jeder dritte (35%) Befragte der Ansicht, dass Einwanderer eher Straftaten begehen, nur knapp jeder Zehnte (8%) meint, dass das weniger wahrscheinlich ist.

Schließlich sind die Deutschen im Vergleich zu anderen Ländern am wenigsten bereit, Einwanderern zu zugestehen, dass diese fleißiger sind als sie selber: während dies in Deutschland nur 29 Prozent sind, sind es in den USA mehr als jeder Zweite (51%). Immerhin: nur jeder Siebente (14%) ist der Ansicht, dass Einwanderer nicht so hart arbeiten wie man selber während jeder zweite (52%) findet, dass es hier keine großen Unterschiede geben.

Dies ist das Ergebnis einer repräsentativen Studie, die Ipsos Nordamerika in Kooperation mit Associated Press (AP) im Mai diesen Jahres in Kanada, Australien, den USA, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien bei jeweils 1.000 Befragten durchführte.

Die traditionellen Einwandererländer Kanada, Australien und die USA liegen bei der positiven Beurteilung des Einflusses von Immigranten klar vorne, während Europa Einwanderer etwas skeptischer bewertet. Besonders geschätzt wird der Einfluss von Zuwanderern in Kanada: Drei Viertel der befragten Kanadier sehen einen positiven Einfluss von Immigration auf die Entwicklung ihres Landes.

Obwohl diese Ansicht in Europa allgemein etwas weniger verbreitet ist, sieht knapp die Hälfte der Deutschen (47%) einen positiven Einfluss von Einwanderern auf die Entwicklung Deutschlands. Zwar weisen immerhin 45 Prozent der befragten Deutschen auch auf die negativen Einflüsse von Immigranten hin, aber trotzdem werden Einwanderer innerhalb Europas in Deutschland am besten beurteilt.

Die schlechtesten Eindrücke zeigen sich in Großbritannien. Fast jeder zweite Brite (48%) sieht hauptsächlich die negativen Auswirkungen von Einwanderung, während nur 43 Prozent die positiven Einflüsse hervorheben.

Gefragt nach dem Einfluss von Einwanderern auf die eigene Wohngegend wird erneut eine positivere Bewertung von Seiten der großen Einwanderernationen Kanada, Australien und den USA deutlich. Mehr als ein Viertel der Kanadier (28%) sieht in der eigenen Wohngegend Verbesserungen durch Zuzug von Immigranten, in den USA und Australien sind dies immerhin 22 bzw. 15 Prozent.

Innerhalb Europas werden dagegen eher mit Einwanderern assoziierte Probleme hervorgehoben als Verbesserungen. So ist ein knappes Viertel (23%) der Deutschen der Ansicht, neu hinzugezogenen Immigranten hätten in ihrem Wohngebiet eher Probleme bereitet, während nur 7 Prozent sagen, Zuwanderer hätten ihre Gegend verbessert.

Im Vergleich zwischen den fünf europäischen Ländern ist besonders auffällig, dass Franzosen und Briten Immigranten in ihren Wohngebieten als weniger problematisch bezeichnen als Deutsche, Spanier und Italiener. So sehen zum Beispiel nur 13 Prozent der Briten Probleme bei der Eingliederung von Immigranten in Wohngebiete, während es in Spanien und Italien jeweils 22 Prozent und in Deutschland sogar 23 Prozent sind.

Die Abgrenzung zwischen Europa und den drei traditionellen Einwandererländern zeigt sich erneut bei der Frage nach der wahrscheinlichen Straffälligkeit von Einwanderern. Zwar sagen immerhin 15 Prozent der Kanadier und sogar 19 Prozent der Amerikaner, die Wahrscheinlichkeit, dass Zuwanderer an kriminellen Aktivitäten beteiligt seien, sei größer, dieser Anteil liegt jedoch besonders in Italien, Spanien und Deutschland noch deutlich höher.

In diesen drei Ländern sieht mehr als jeder Dritte ein höheres kriminelles Risiko in Immigranten als bei den eigenen Landsleuten. Besonders misstrauisch zeigen sich hier Italiener, da mehr als vier von zehn Italienern (41%) eine höhere Wahrscheinlichkeit der Beteiligung an kriminellen Aktivitäten unter Immigranten vermuten.

Im Vergleich mit den vier anderen europäischen Ländern liegt Deutschland hinter Spanien und Italien im Mittelfeld, obwohl mehr als jeder dritte Deutsche (35%) an eine höhere Kriminalitätsrate unter Immigranten glaubt. Dagegen teilt in Frankreich und Großbritannien nur jeder Vierte diese Ansicht.

In allen untersuchten Ländern ist das Bild des hart arbeitenden Einwanderers fest verankert. Besonders weit verbreitet ist diese Vorstellung in den USA. Entsprechend des "American Dream" vom tüchtigen Einwanderer, der es in den USA zu Reichtum bringt, sind mehr als die Hälfte aller befragten Amerikaner (51%) der Ansicht, dass Immigranten härter arbeiten als Amerikaner.

Dagegen teilen Deutsche diese Ansicht weit weniger oft als Befragte anderer Länder. Lediglich 29 Prozent der Deutschen glauben, dass Zuwanderer härter arbeiten als Deutsche und sogar 14 Prozent geben an, dass Immigranten weniger hart arbeiteten, der höchste Wert im Vergleich zu allen anderen. In Deutschland scheint damit immer noch das Selbstbild des  disziplinierten, hart arbeitenden Deutschen vorzuherrschen, an dessen Arbeitsmoral so leicht kein Immigrant heranreichen kann.

 

Steckbrief

Methode:
Der deutsche Teil der Untersuchung wurde mit Ipsos „Express“ als computergestützte telefonische Befragung (CATI) zwischen 12. und dem 20.05.2006 durchgeführt. Grundgesamtheit sind alle deutschsprachigen Personen ab 14 Jahren, die in telefonisch erreichbaren Privathaushalten leben. Aus dieser Grundgesamtheit wurde eine repräsentative, mehrstufig geschichtete Zufallsstichprobe gezogen. Die statistische Fehlertoleranz liegt bei einem ausgewiesenen Merkmal von ± 3,1%.

Über Ipsos

Die Ipsos GmbH ist ein Tochterunternehmen der Ipsos SA mit Hauptsitz in Paris. Weltweit gehören Marktforschungsinstitute in über 40 Ländern zur Ipsos - Gruppe, die damit international Platz drei einnimmt. Seit 1999 ist Ipsos SA an der Pariser Börse notiert. In Deutschland ist die Ipsos GmbH mit 320 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 52 Mio. € (2005) das drittgrößte ad-hoc Marktforschungsinstitut.

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