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In Bayern und Hamburg lebt es sich am besten

Ipsos-Studie: Ergebnisse des Nationalen WohlstandsIndex für Deutschland (NAWI-D)

Hamburg, 26. September 2013. Nach dem aktuellen Wohlstands-Ranking der Deutschen lebt es sich in Bayern und Hamburg (je 52%) am besten, dicht gefolgt von Schleswig-Holstein (49%). Dagegen stufen sich Brandenburger am untersten Ende (30%) der Wohlstandsskala ein. Dies geht aus dem Nationalen WohlstandsIndex für Deutschland (NAWI-D) hervor, den Zukunftsforscher Horst Opaschowski in Zusammenarbeit mit dem Markt- und Sozialforschungsinstitut Ipsos auf repräsentativer Ebene ermittelte. Befragt wurden 10.000 Personen ab 14 Jahren in Deutschland im Zeitraum von Mai 2012 bis Juni 2013.

Wohlstand im 21. Jahrhundert: Gesundheit zählt mehr als Geld

Laut Professor Opaschowski rückt in unsicheren Zeiten das persönliche und soziale Wohlergehen zunehmend ins Zentrum des Lebensinteresses. Neben Geld und Gütern spielen individuelle, gesellschaftliche und ökologische Lebensqualitäten eine immer größere Rolle. „Wohlstand hat viele Gesichter und ist keine bloße Geldfrage mehr“ analysiert Professor Opaschowski das Umdenken der Deutschen. „Ein grundlegender Perspektivenwechsel vom Wohlleben zum Wohlergehen zeichnet sich ab. Die Wohlstandsgesellschaft als Wegwerfgesellschaft war im ausgehenden 20. Jahrhundert noch ein großes Thema. Jetzt setzen die Bürger andere Prioritäten, in denen es mehr um Lebensqualitätserhaltung als um Lebensstandardsteigerung geht“.

Nach dem WohlstandsIndex NAWI-D von Ipsos verteilen sich die wichtigsten Wohlstandsprioritäten der Deutschen auf vier Bereiche. Dazu zählen

  • der ökonomische Wohlstand: „Sicher und ohne Geldsorgen leben“ (Bundesdurchschnitt: 42% der Bevölkerung - Bayern: 53 %);
  • der ökologische Wohlstand: „Naturnah und nachhaltig leben“ (Bundesdurchschnitt: 28% - Thüringen: 45%);
  • der gesellschaftliche Wohlstand: „Frei und in Frieden leben“ (Bundesdurchschnitt: 53% - Schleswig-Holstein: 64%) und
  • der individuelle Wohlstand: „Gesund und ohne Zukunftsängste leben“ (Bundesdurchschnitt: 43% - Bayern: 54%).

In diesem Prioritätenkatalog ist nach wie vor der ökonomische Wohlstand relativ hoch bewertet – allerdings inhaltlich ganz anders begründet. Zukunftsforscher Opaschowski: „Es geht nicht mehr um das Immer-Mehr: Die Deutschen wollen auf Nummer Sicher gehen. Sie wollen ihren erarbeiteten, verdienten und erworbenen Wohlstand in Sicherheit bringen und sich gegen Lebensrisiken absichern – vom gesicherten Arbeitsplatz über das sichere Einkommen bis zur sicheren Rente. Wohlstand im 21. Jahrhundert verliert seine traditionelle ‚Luxus‘-Komponente. Wohlhabend ist der, der sorgenfrei leben kann und keine finanziellen Sorgen hat“.

Dies erklärt auch, warum individuelle Wohlstandsfaktoren so hoch bewertet werden: Es geht vielen Bundesbürgern mehr um Leib und Leben als um Glücksgefühle. Gesundheit zählt für sie mehr als Geld. Ein verlässliches Gesundheitssystem ist für ihr Wohlergehen unverzichtbar geworden.

Vierfacher Wohlstand in Deutschland. Ein Bundesländer-Vergleich

Je nach vorhandenen Rahmen- und Lebensbedingungen verfügen die Bundesbürger in den einzelnen Bundesländern über ganz unterschiedliche Wohlstandsqualitäten:

  • Den höchsten ökonomischen Wohlstand bescheinigen sich die Bewohner in Bayern, Bremen und Rheinland-Pfalz. Die Bayern geben überdurchschnittlich oft an, einen gesicherten Arbeitsplatz zu haben(60% - Bundesdurchschnitt 47%). Zusammen mit den Bremern wissen sie zudem ihr sicheres Einkommen besonders zu schätzen (Bayern und Bremen je 57% - Bundesdurchschnitt 47%). Und auch beim Besitz von Eigentum (Wohnung, Haus, Auto) führen die Bayern die Spitzengruppe an (Bayern 58% - Saarland 57% - Rheinland-Pfalz 52% - Bundesdurchschnitt 46%).
  • Beim ökologischen Wohlstand dominieren die Bewohner von Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern . Die Thüringer sind naturverbundener als der Rest der Nation („Ich lebe mit der Natur“:  50% - Bundesdurchschnitt 30%). Und in Mecklenburg-Vorpommern lebt man besonders umweltbewusst (55% - 36% Bundesdurchschnitt). 
  • Zum gesellschaftlichen Wohlstand zählen die Deutschen vor allem Frieden, Freiheit und Toleranz. Für die Saarländer und Thüringer ist das friedliche Zusammenleben mit den Mitmenschen eine besonders wichtige Voraussetzung für Wohlstand  (Saarland 82%, Thüringen 81%- Bundesdurchschnitt 65%). Der Meinungsfreiheit wird insgesamt eine große Bedeutung zugemessen (59%). In Hamburg (71%), Schleswig-Holstein (70%), Rheinland Pfalz (70%) und Bayern (69%) finden die Bürger diesen Punkt besonders wichtig.Das Leben in einer toleranten Welt hingegen findet insgesamt nur jeder vierte Bundesbürger wichtig für sein Wohlergehen, in Baden-Württemberg ist es jeder dritte (33%).
  • Zur vierten Säule des umfassenden neuen Wohlstandsverständnisses der Deutschen gehört der individuelle Wohlstand, in dem Wohlfühlen, Wohlbefinden und Wohlergehen die Lebensqualität bestimmen. In Thüringen ist hier der gute Kontakt zur Familie ein wichtigerer Wohlstandsfaktor als in anderen Bundesländern. (Thüringen: 79% - Bundesdurchschnitt 66%). Die Thüringer sagen auch von sich häufiger als andere, sie seien „für andere da“ (Thüringen: 69% - Bundesdurchschnitt 52%), während man in Bremen und Hamburg (je 60%) mehr Wert darauf legt, genug Zeit für sich zu haben (Bundesdurchschnitt 50%). Für die Hamburger kommt noch hinzu, dass sie sich im Vergleich zu allen anderen Bundesbürgern am gesündesten fühlen (Hamburg 68% - Bundesdurchschnitt 50%).

Besser leben. Familienzusammenhalt und Beziehungsqualitäten werden wichtiger

Nach dem aktuellen WohlstandsIndex von Ipsos auf der Basis von 10.000 repräsentativ befragten Bundesbürgern bemisst sich der Wohlstand heute nicht mehr nur nach der Verfügungsmöglichkeit über wirtschaftliche Güter oder nach dem verfügbaren Pro-Kopf-Einkommen in Kaufkraftstandards. Opaschowski: „In den Blickpunkt rückt die Gewinnmaximierung des ganz persönlichen Lebens. Dabei wirkt die Familie wie eine beständige Wertanlage: Ihre Rendite heißt Lebenserfüllung“.

Natürlich spielen materielle Überlegungen im Wohlstandsverständnis der Deutschen weiterhin eine Rolle. Schließlich sehen sich bisher fast zwei Drittel der Bevölkerung (63%) nicht in der Lage, im ausreichenden oder zufriedenstellenden Ausmaß  für die Zukunft vorsorgen zu können. Das größte Vorsorgedefizit melden derzeit die Bewohner in Mecklenburg-Vorpommern (78%) an.

Das Fazit des Zukunftsforschers: „Damit in Zukunft alle gut leben können, braucht Deutschland eine neue Vision von Wohlstand und Wohlfahrt, in der es mehr um soziales Wohlergehen als um materiellen Wohlstand geht. Nur dann kann Wohlstand wieder ein Fortschrittsindikator sein. Das umfassende Wohlstandsverständnis der Bevölkerung sprengt den herkömmlichen Wohlstandsbegriff. In unsicheren Krisenzeiten hat der Wunsch nach Wohlstand mehr mit der Verhinderung von Not und Sorge als mit Geldausgeben und Konsumgenuss zu tun. Wichtiger werden Wertqualitäten wie Freiheit und Frieden, Lebensqualitäten durch Gesundheit und Sicherheit sowie Beziehungsqualitäten im Umfeld von Familie und Freunden. Die Deutschen wollen auch in Zukunft gut, vielleicht sogar besser leben als heute.“ 

Steckbrief

Methode: Capibus™ Computer Assisted Personal Interviewing, im Haushalt des Befragen, random route - zufällig ausgewählter Haushalt und Befragungsperson
Stichprobe: 10.000 Personen ab 14 Jahren
Grundgesamtheit: Deutschsprechende Bevölkerung in Privathaushalten
Feldzeit: 21. Mai 2012 bis 16. Juni 2013

Über Ipsos

Ipsos ist ein unabhängiges und innovatives Dienstleistungsunternehmen, das weltweit Services rund um die Markt- und Meinungsforschung anbietet. Um unseren Kunden bestmöglichen Service zu bieten, haben wir uns in sechs Forschungsbereichen spezialisiert. So bestimmen unsere engagierten Forscher Marktpotenziale, zeigen Markttrends, testen Produkte, Werbung und Dienstleistungen, erforschen die Wirkung von Medien und geben der öffentlichen Meinung eine Stimme. Und das in 85 Ländern auf allen Kontinenten. In Deutschland beschäftigen wir in unserem „Home of Researchers“ über 500 Mitarbeiter in Hamburg, Mölln, München, Frankfurt und Berlin.

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Über Professor Horst W. Opaschowski

Professor Dr. Horst W. Opaschowski ist Zukunftswissenschaftler und Berater für Politik und Wirtschaft. Nach dem Studium an den Universitäten Köln und Bonn promovierte er 1968 über die sozialen Folgen der Tourismusentwicklung und entwickelte 1973 im Auftrag der Bundesregierung eine freizeitpolitische Konzeption. Von 1975 bis 2006 war er Professor für Erziehungswissenschaft an der Universität Hamburg und bis Ende 2010 Gründer und wissenschaftlicher Leiter der Stiftung für Zukunftsfragen (ehemals Freizeit-Forschungsinstitut). Opaschowskis Themenschwerpunkte liegen im Bereich der empirischen Zukunfts- und Gesellschaftsforschung. Sein aktuelles Buch „Deutschland 2030“ veröffentlichte er 2013.

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