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Web frisst Fernsehen

Zukunftsforscher Opaschowski: „Fernsehen altert – und schrumpft“

Hamburg, 25. April 2013. Was in den neunziger Jahren, als es noch keine Tablets, Smartphones und kein Facebook gab, unvorstellbar schien, wird bald Wirklichkeit: Web frisst Fernsehen. Fernsehen überlebt die Zukunft – über das Internet. Der ehemals passive Konsument, der sich vom Fernsehen berieseln ließ, wird interaktiv: „Der Programmdirektor Publikum führt Regie und wandelt sich zum Prosumenten, der gleichzeitig produziert und konsumiert“, so Zukunftsforscher Horst Opaschowski in seiner aktuellen Medienprognose. Opaschowski stützt sich dabei auf eine gemeinsam mit dem IPSOS-Institut durchgeführte Repräsentativumfrage, in der 1.000 Personen ab 14 Jahren in Deutschland danach gefragt wurden, wie sie persönlich die Medienentwicklung der „nächsten zehn bis zwanzig Jahre“ einschätzen.

Die Jugend wandert ins Web
TV braucht Web – Web braucht kein TV
Vier von zehn Bundesbürgern (41%) sind mittlerweile davon überzeugt, dass die klassischen Fernsehsender in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren verschwinden. Die Begründung dafür lautet: „Die Menschen werden sich in Zukunft überwiegend über das Internet ihr persönliches Programm aus Nachrichten, Filmen und Sport selbst zusammenstellen“. Nicht einmal jeder dritte Befragte unter 35 Jahren (31%) sieht Fernsehen heute als das wichtigste Medium im Lebensalltag der Menschen. Zukunftsforscher Opaschowski: „Was für die demografische Entwicklung in Deutschland gilt – die Bevölkerung altert und schrumpft – spiegelt sich auch im TV-Konsum wider: Das Fernsehen altert und schrumpft. Das Fernsehen verliert seine junge werberelevante Zielgruppe. Die Jugend wandert ins Web. Und die Fernsehanstalten müssen umdenken: TV braucht Web – Web braucht kein TV“.

Der Anspruchswandel der TV-Zuschauer wird einen Strukturwandel der Programm-Macher notwendig machen. Denn die nächste Mediengeneration hat keinen langen Atem für langweilige Sendungen mehr. Den Programm-Mix will sie selbst bestimmen. „Fernsehen stirbt nicht“, so Opaschowski, „sondern bleibt auch in Zukunft ein wichtiges und unverzichtbares Alltagsmedium für Information und Unterhaltung. Fernsehen wird aber weniger programmatisch sein. Die Zuschauer basteln sich ihre Programmzeitschrift selbst – und wollen nichts mehr vorgesetzt bekommen.“

Total digital – völlig normal
Die neuen Alleskönner kommen
Die 1999 von Opaschowski prognostizierte „Generation @“ ist Realität geworden. Gut zwei Drittel der Bevölkerung (70%) sind davon überzeugt, dass „das Internet zunehmend unser Leben bestimmt und unseren Lebensstil prägt“. Eine neue Nutzergeneration von „Viewsern“ (Viewern und Usern zugleich) lebt dann ganz selbstverständlich mit den Alleskönnern TV und PC, Smartphone und Internet. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis aus dem eingespielten Medienkonsum ein ausgeprägter Lebensstil wird: Handy in der Hosentasche, Armbanduhr mit SMS-Alarm und Internetzugang am Handgelenk oder in der Brille.
In Konturen zeichnet sich für die nahe Zukunft eine neue Medienrevolution ab: Ein Wandel von der TV-Generation über die Generation@ bis zur UMTS-Generation. Diese neue Universal-Mobile-Telekommunikations-System-Generation macht sich zum Alleinunterhalter: Total digital – völlig normal. Das Fernseh-Zeitalter geht zu Ende. TV pur ist passé. Sender und Programme werden austauschbar. Professor Opaschowski: „Eine Ära der totalen Vernetzung im Sinne von Bill Gates‘ vorhergesagter ‚connectivity‘ beginnt. Und das öffentlich-rechtliche Fernsehen von ARD und ZDF wird auf dem Prüfstand stehen. Nach dem Muster BBC wird es in Deutschland in den nächsten zwanzig Jahren nur noch einen staatlich finanzierten Sender geben, der Infotainment, Politainment und Edutainment zum Hauptprogramm macht. Macher und Mitmacher gehen eine Vernunftehe ein“.

Web frisst Fernsehen

Steckbrief

Studien-Steckbrief:
Methode: Telefonische Repräsentativbefragung von 1.000 Personen ab 14 Jahren in Deutschland
Befragungszeitraum: 06. - 07. und  11. - 12. März 2013

Über Ipsos

Ipsos ist ein unabhängiges und innovatives Dienstleistungsunternehmen, das weltweit Services rund um die Markt- und Meinungsforschung anbietet. Um unseren Kunden bestmöglichen Service zu bieten, haben wir uns in sechs Forschungsbereichen spezialisiert. So bestimmen unsere engagierten Forscher Marktpotenziale, zeigen Markttrends, testen Produkte, Werbung und Dienstleistungen, erforschen die Wirkung von Medien und geben der öffentlichen Meinung eine Stimme. Und das in 85 Ländern auf allen Kontinenten. In Deutschland beschäftigen wir in unserem „Home of Researchers“ über 500 Mitarbeiter in Hamburg, Mölln, München, Frankfurt und Berlin.

Über Professor Horst W. Opaschowski

Professor Dr. Horst W. Opaschowski ist Zukunftswissenschaftler und Berater für Politik und Wirtschaft. Nach dem Studium an den Universitäten Köln und Bonn promovierte er 1968 über die sozialen Folgen der Tourismusentwicklung und entwickelte 1973 im Auftrag der Bundesregierung eine freizeitpolitische Konzeption. Von 1975 bis 2006 war er Professor für Erziehungswissenschaft an der Universität Hamburg und bis Ende 2010 Gründer und wissenschaftlicher Leiter der Stiftung für Zukunftsfragen (ehemals Freizeit-Forschungsinstitut). Opaschowskis Themenschwerpunkte liegen im Bereich der empirischen Zukunfts- und Gesellschaftsforschung. Sein aktuelles Buch „Deutschland 2030“ veröffentlichte er 2013.

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